Exkursion am Inn - zwischen Auwald und Kiesbank
Paul Kastner von der BN-Ortsgruppe Passau führte die Gruppe entlang des Inn Richtung Kraftwerk Ingling und vermittelte dabei viel Wissenswertes über den Gebirgsfluss sowie einen der letzten Auwälder Passaus.
Schon entlang des Weges gab es einiges zu entdecken. Alte Charakterbäume wie Silberweiden und Pappeln säumen den heutigen Fuß- und Radweg, der noch bis ins 19. Jh. ein baum- und strauchfreier Treidelpfad war, auf dem vom Ufer aus Frachtkähne beladen mit Getreide flussaufwärts gezogen wurden, die zuvor mit Salz, Gewürzen, Wein und venezianischer Handelsware flussabwärts kamen.
Mehr Geschichtliches zu erfahren gab es dann noch unter der Eisenbahnbrücke, bevor Paul Kastner den Fokus auf die Vegetation lenkte. Auffallend, der leuchtend gelbe Schwefelporling, ein Pilz, der am Stamm dicker Bäume wächst. Ein untrügliches Zeichen dafür: die Lebenszeit ist angezählt.
Entlang des Weges wurde auf Flora und Fauna eingegangen, die Besonderheiten dieser Region benannt und auf das Ökosystem Auwald, eines der letzten hier in Passau, näher eingegangen. Zu jedem Thema hatte Paul Kastner Anschauungsmaterial parat, das er aus seiner ledernen Umhängetasche zauberte, was seine Ausführungen und Anekdoten lebendig und anschaulich machte.
Mitten im Auwald angekommen, wanderte der Blick von den Weichholzbaumarten über die Strauchzone hinunter zum Bodenbewuchs. Kritisch beäugt wurden invasive Arten wie Indisches Springkraut oder Berufkraut. Daneben aber gab es mit Kratzbeere, Knoblauchrauke und anderen kalkliebenden, heimischen Pflanzen auch viel Erfreuliches zu entdecken.
Ein Highlight war zudem, die Möglichkeit bei derzeitigem niedrigem Wasserstand ein Blick auf in die Vegetation des Flussbereichs zu nehmen. Über die freiliegenden Kiesbänke konnte die Gruppe direkt auf dem einst angespülten Kies aus der Alpenregion herumlaufen. Zwischen den Steinen fanden sich dabei erstaunliche Pflanzenfunde: Tomaten, mexikanische Chia-Pflänzchen, die Andenbeere und Pfefferminz haben sich hier angesiedelt. Auch Sommerflieder und weitere für den Standort kuriose Pflanzen wären bei steigendem Pegel wohl froh, an einem anderen Ort gekeimt zu sein.
Doch auch die heimischen Pflanzen wie Wasserdost und Nickender Zweizahn bekamen ihre Aufmerksamkeit; waren sie doch durch leuchtend dunkelrote und goldgelbe Blüten nicht zu übersehen.
Ein spezielles Moos, Anzeiger für Grundwasservorkommen, wurde entdeckt und viele, weitere Entdeckungen gestalteten die Exkursion bei spätsommerlichem Wetter mit angenehmen Temperaturen entspannt und wohltuend – mit viel Zeit zum Schauen, Fragen und Austauschen. Selbst diejenigen, die sich bereits gut mit Pflanzen und Natur auskennen, konnten an diesem Nachmittag noch einiges dazulernen. So bedankten sich die Teilnehmenden bei Paul Kastner mit einem herzlichen Applaus.
Mit illustren Geschichten und regem Erfahrungsaustausch ließ ein Teil der Gruppe die Veranstaltung bei Kaffeevariationen, Hollerschorle und Schokokuchen in „Der Küche“ ausklingen - was bei manchem die Lust geweckt haben dürfte, diese beim monatlichen Stammtische fortzuführen – jeden ersten Donnerstagabend im Café Museum.
Text und Fotos: Urte Langer


