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06.08.2016 - PNP - "Jeder andere hätte den Betrieb längst geschlossen"

STF-Chef Josef Söllner äußert sich erstmals zu den Vorwürfen gegen ihn und sein Unternehmen – Derweil fürchten die Mitarbeiter um ihre Jobs

Aicha vorm Wald. Von allen Seiten prasselt dieser Tage herbe Kritik auf die Firmengruppe STF ein: Waren es zunächst vor allem die Bürgerinitiative Abwasser und Umweltschützer, schlägt seit kurzem auch das Landratsamt und seit einer Woche sogar der Landrat selbst scharfe Töne an. Nun äußert sich erstmals Unternehmenschef Josef Söllner im PNP-Interview. Gemeinsam mit Umweltingenieurin Anita Stadlbauer antwortet er auf die Vorwürfe – und kann bei einer Frage sogar lachen.

Das Landratsamt droht wegen fehlender Genehmigungen damit, Betriebsteile zu schließen, und der Landrat wirft Ihnen vor, Ihrer moralischen Verantwortung nicht gerecht zu werden. Was antworten Sie ihm?

Josef Söllner: Wenn ich mir ansehe, was die Firma tut, was Frau Stadlbauer tut, um die Unstimmigkeiten zu klären: Mehr geht in diesem Zeitrahmen nicht. Wir haben für alles ein Gutachten machen lassen und pünktlich abgegeben. Und wenn das Landratsamt sagt, dass etwas nicht passt, muss es das auch begründen und den Gutachtern eine Möglichkeit zur Nachbesserung geben.

Anita Stadlbauer: Es hängt momentan nur an den Gutachten. Die detaillierte Begründung vom Landratsamt haben wir noch nicht. Unsere Gutachter stimmen sich zurzeit mit dem Amt ab. Wir tun alles dafür, dass es am Standort Aicha weitergehen kann. Herr Söllner nimmt seine Verantwortung für die Mitarbeiter sehr ernst.

Der Landrat deutete auch an, ihm gehe allmählich die Geduld mit STF aus. Warum, denken Sie, haben Sie noch eine Fristverlängerung verdient?

Söllner: Wir tun, was verlangt wird. Aber das müssen wir Schritt für Schritt abarbeiten.

Stadlbauer: Wir haben zum Beispiel gerade mit dem Architekten und dem Brandschutz eine neue Überdachung für die Ladezone abgeklärt, damit keine Plastikteile mehr vom Wind verfrachtet werden können.

Söllner: Ich wollte diese Überdachung schon lange.

Manche Kritiker können nicht verstehen, warum Ihr Unternehmen noch nicht von den Behörden sanktioniert worden ist. Werden Sie bevorzugt?

Söllner: (lacht) Im Moment glaube ich eher das Gegenteil. Ich habe keine politischen Beziehungen, kenne nicht einmal alle Gemeinderäte in Aicha. Ich bin in der CSU, aber dort nicht engagiert.

Stadlbauer: Der Landrat steht hinter den Unternehmern und möchte auch für uns eine Lösung finden.

Ende Juni sind Belege für einen Störfall im Jahr 2003 ans Licht gekommen. Damals sind schädliche Substanzen über einen illegalen Gully in den Kanal gelangt. Und das soll laut dieser Belege nicht der einzige Vorfall gewesen sein. Stimmt das?

Söllner: Da ist einmal etwas passiert. Wir hatten die Halle fertig gekauft und wussten von dem Gully nichts. Nach dem Vorfall haben wir die Abläufe zugemacht.

Stadlbauer: Seit dieser Zeit ist Derartiges nicht mehr vorgefallen. Wir wundern uns aber schon, wie es sein kann, dass die Bürgerinitiative Abwasser an vertrauliche Unterlagen der Staatsanwaltschaft kommt. Wir haben Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Im Internet präsentiert sich STF als international erfolgreiches Unternehmen. Was haben Gemeinde und Landkreis von STF?

Söllner: Wir sind weltweit führend in der Herstellung von Recyclinganlagen. Die Gemeinde bekommt Gewerbesteuer und ich denke, der Landkreis wird steuerlich auch profitieren. Wir vergeben auch Arbeit und beschäftigen andere Firmen. Ich habe die Firma vor 19 Jahren mit 33 Mitarbeitern aus dem Konkurs übernommen. Einer ist in Rente, einen mussten wir entlassen, der Rest ist noch hier beschäftigt. Wir übernehmen auch unsere Lehrlinge zu 99 Prozent.

Stadlbauer: Zur STF Group gehören die STF Maschinen- und Anlagenbau GmbH, die STF Recycling GmbH, die STF Thermoform Folien GmbH und die ECO Polymers GmbH. Alle zusammen beschäftigen aktuell 257 Mitarbeiter und sieben Azubis.

Dennoch: Unter Bürgern und Umweltschützern ist der Unmut groß. Sie sagen, STF tue nichts, um die Anforderungen zu erfüllen. Ist der Vorwurf berechtigt?

Söllner: Die Umwelt zu verschmutzen – so dumm kann man als Unternehmer nicht sein. Vor allem nicht in unserer Branche. Wir sind eines der saubersten Recyclingunternehmen, weil wir auch repräsentieren müssen. Erst am Dienstag waren wieder Gäste aus den USA hier. Die Probleme, die wir derzeit haben, kommen vor allem von zwei Nachbarn.

Stadlbauer: Ein Problem ist, dass der Pfarrhof sehr dicht am Gewerbegebiet liegt. Deswegen müssen wir ihn zum Beispiel beim Lärmschutz-Gutachten als Immissionsort betrachten. Herr Söllner hätte den Pfarrhof gekauft und als Verwaltungsgebäude hergerichtet. Dann wäre das kein Problem mehr. Aber das Gebäude war nicht zu einem angemessenen Preis zu bekommen. Wir versuchen über alle Wege, die Probleme zu lösen.

Ein Beispiel für Umweltverschmutzung sind Plastikschnipsel, die man zuweilen in den nahe gelegenen Regenrückhaltebecken der Gemeinde findet. STF beteuert stets, das komme nicht aus der Firma. Ist das Plastik wirklich nicht von Ihnen?

Söllner: Wir haben nie gesagt, dass das nicht von uns sein kann. Es kommt aber nicht aus dem Unternehmen durch unsere Bodenabläufe, sondern durch die Oberflächenentwässerung der Industriestraße. Wir kehren ständig und reinigen auch den öffentlichen Straßenbereich. Bei Starkregen kann es passieren, das etwas wegschwemmt wird. Wir kontrollieren dann sofort das Regenrückhaltebecken. Sollte etwas abgeschwemmt worden sein, wird es sofort entfernt. Nach der baulichen Umgestaltung kann dies zukünftig nicht mehr vorkommen. Das Plastik ist nicht giftig, es ist ja sogar für Lebensmittel zugelassen.

Der Bund Naturschutz hat bei der Staatsanwaltschaft Passau Strafanzeige wegen vorsätzlicher Gewässerverunreinigung gestellt. Sind Sie nervös?

Söllner: Warum denn? Wir haben nichts vorsätzlich getan.

Stadlbauer: Wir haben ja selber nur Nachteile daraus.

Ein anderer Vorwurf ist mangelnde Transparenz. Tatsächlich haben Sie sich in der Öffentlichkeit bisher nicht persönlich zu den Vorwürfen geäußert, Herr Söllner. Warum nicht?

Söllner: Ich äußere mich auch nicht, wenn wir wieder irgendwo viel Geld investieren. Ich muss mich nicht profilieren. Und ich will auch keinen anfeinden. Wir arbeiten lösungsorientiert und wollen die Probleme abstellen.

Was sagen Ihre Kunden zu den Diskussionen um Ihre Firma?

Söllner: Sie rufen an und fragen, ob wir zusperren. Das ist mittlerweile schon geschäftsschädigend.

Stadlbauer: Jeder andere Betrieb wäre schon tot. Wir wollen die Genehmigung, den Standort sichern und dann in Ruhe arbeiten.

Vor drei Monaten haben Sie für die STF Recycling GmbH ankündigen lassen, dass durch eine neuartige Aufbereitungsanlage kein Produktionsabwasser mehr in den Kanal geleitet werde. Wann kommt die Anlage?

Stadlbauer: Ursprünglich war erst eine Anlage für einen Betriebsteil vorgesehen. Über Tankzüge hätten wir dort auch das Abwasser der anderen Betriebshallen aufbereitet. Aber das Landratsamt wollte keinen betriebsinternen Transport. Deswegen hat Herr Söllner gesagt, dass wir sofort auch die zweite, eigentlich für später vorgesehene Anlage bauen.

Söllner: Beide Anlagen sind schon da und bereit zum Aufbau. Wir brauchen nur noch die baurechtliche Genehmigung vom Landratsamt. Ohne sie starten wir nicht!

Von allen – Landratsamt, Gemeinde, STF – wurde immer betont, man stehe in konstruktiven Gesprächen. Doch die Probleme sind noch immer nicht vom Tisch. An wem scheitert’s?

Söllner: Wir haben einige Probleme schon abgestellt. Aber ohne Genehmigung vom Landratsamt dürfen wir nichts machen. Ich habe schon so viel Geld investiert, inklusive der beiden Aufbereitungsanlagen sind es jetzt rund vier Millionen Euro. Jeder andere hätte den Betrieb in Aicha schon längst geschlossen und wäre woanders hingegangen. Genau das will ich nicht. Für die bisherige Investitionssumme hätte ich bereits neu bauen können. Wir würden ohnehin gern im Maschinen- und Anlagenbau erweitern und Teile des Recyclings auslagern. Nun hoffen wir, dass die Gemeinde gegenüber ein Gewerbegebiet ausweist, um die Erweiterung und Umlagerung zu unterstützen.

Das Gespräch führte Sabine Kain.