Bauarbeiter ziehen ab - Kritik bleibt - PNP

Hundsdorf | 03.07.2017 | Kontrovers diskutierte Ortsumfahrung ab 12. Juli freigegeben

von Ralf Enzensberger

"Flächenfraß", "überdimensioniert", "Monsterbauwerk" - die Ortsumfahrung Hundsdorf wird seit Baubeginn vor vier Jahren kontrovers diskutiert. Zum größten Teil ist die Strecke schon befahrbar, die offizielle Verkehrsfreigabe findet am 12. Juli statt, wie das Staatliche Bauamt Passau mitteilt. Doch die Kritik will nicht verstummen.

Spatenstich für das umstrittene Projekt war am 28. März 2013. Der Bau der Umgehung soll die Unfallhäufigkeit auf der Staatsstraße 2132 im Bereich Hundsdorf reduzieren und auch die allgemeine Verkehrssituation verbessern.

"Bündnis 90"-Kreisrat Toni Schuberl lehnt in einem öffentlichen Brief die Einladung des Staatssekretärs Gerhard Eck zur offiziellen Einweihung am 12. Juli ab und kritisiert den Bau der Ortsumfahrung scharf: Diese nennt er "Raserstrecke", "Todesfalle" und "Denkmal des CSU-Größenwahnsinns"

Karl Haberzettl schlägt in die gleiche Kerbe und nennt das Bauprojekt einen "überdimensionierten Flächenverbrauch".

Die neue Ortsumgehung von Hundsdorf: Für die ÖDP und die Grünen ist dieser Bau unnötiger Flächenfraß, für das Staatliche Bauamt ist diese Lösung die beste, um Unfälle zu vermeiden. − Foto: Jäger

09.07.2017 - PNP - Hundsdorf: "Die Sicherheit der Menschen geht vor" - mit Video

von Tanja Rometta

 

Zehn Millionen Euro hat die neue Ortsumgehung von Hundsdorf gekostet. Ein nicht nur von oben betrachtet riesiger Bau, der für Verkehrsberuhigung einerseits und die Entlastung des kleinen Ortes andererseits sorgen soll. Nach vier Jahren Bauzeit steht die offizielle Verkehrsfreigabe kurz bevor – doch die kritischen Stimmen dazu wollen nicht verstummen. Nach den Grünen meldet sich jetzt auch die ÖDP-Fraktion im Kreistag zu Wort: Man ist generell nicht einverstanden mit der Haltung des Landrats zu derartigen Großprojekten, wie auch seiner Forderung nach der dritten Startbahn am Münchner Flughafen. Mit Klimaschutz sei das alles nicht vereinbar. Für Franz Meyer und das Staatliche Bauamt Passau steht in Hundsdorf jedoch die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer an erster Stelle.

"Empört" sei man bei der ÖDP nicht nur über die Position des Landrats zur dritten Startbahn, auch bei der baldigen Eröffnung der Ortsumgehung könne von "feierlich" keine Rede sein, lässt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Agnes Becker wissen – am lieb- sten würde man "die Einladung zurückschicken". "Wir haben unsere Zustimmung zum Haushalt 2017 im Passauer Kreistag an die Forderung geknüpft, den Flächenfraß in unserer schönen Heimat zu stoppen", so Becker.

Video von der Ortsumfahrung (Video: Jäger)

Landrat Franz Meyer kann in diesem Fall weder den Angriff auf seine Person noch die Haltung der ödp-Kreistagsfraktion nachvollziehen. "Unterschiedliche Bewertungen sind im politischen Diskurs ebenso selbstverständlich wie auch unvermeidlich", stellt er fest. Wenn aber Gegenpositionen "reflexartig und ohne Analyse der konkreten Sachverhalte eingenommen werden", untergrabe das "leider die Ernsthaftigkeit".

Zu viele Unfälle waren in der Vergangenheit an der Staatsstraße 2132 passiert, zudem verlief durch Hundsdorf die letzte Ortsdurchfahrt zwischen der B388 und Wotzdorf bei Hauzenberg, die vom Durchfahrtsverkehr nicht umgangen werden konnte. Der Vorwurf des unnötigen Flächenverbrauchs greife insofern ins Leere, "als Planer und Bauverwaltung hier ja nicht beliebig projektieren, sondern nach klaren Vorgaben und verbindlichen Standards insbesondere der Verkehrssicherheit handeln", sagt Mayer.

"Die Sicherheit des Menschen geht vor Flächenversiegelung", bestätigt das Staatliche Bauamt Passau. Der bestehende Kreisverkehr an der B12 bei Freyung sei seit Jahren unfallträchtig: Weder Sicherheitsmarkierungen auf der Fahrbahn, noch ein Geschwindigkeitstrichter von 100 auf 80, 60 und 40 km/h, noch ein gelbes Warnlicht hätten zur angestrebten Verkehrssicherheit geführt.