Der richtige Weg: Landwirt Alois Altendorfer (2. v.l.), Wiesenpfleger Alexander Schiermeier (l.), Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzender Karl Haberzettl und Issi Gaißinger vom BN-Kreisvorstand freuen sich über die herrliche Blumenwiese, die in Kapfham bei Kellberg im vergangenen Jahr entstanden ist und für die Bürger Patenschaften übernommen haben. −Foto: Wildfeuer

PNP | 25.05.2020 | Eine Weide für Augen und Insekten

Von Theresia Wildfeuer

Bauer Alois Altendorfer legt Blumenwiese an
Bund Naturschutz: Der richtige Weg

Thyrnau. Margeriten, Glockenblumen, rosarote Kuckuckslichtnelken, blau leuchtendes Bienenkraut oder die gelbe Färberkamille – die Blumenwiese von Landwirt Alois Altendorfer in Kapfham bei Kellberg ist eine Augenweide. Sie gefällt nicht nur den Menschen, sondern lockt auch Insekten an. Zum Tag der Artenvielfalt am Freitag vergangener Woche (22. Mai) und zum Welttag der Bienen, der am Mittwoch, 20. Mai, begangen wurde, besuchte die Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN) Passau die herrliche Blühfläche, die Alois Altendorfer im letzten Jahr angelegt hat und die von „Hobby-Gärtner“ Alexander Schiermeier betreut wird. Für die Blumenwiese hatten Bürger eine Patenschaft übernommen.

„Das ist eine Melde. Sie ist essbar“, sagt Alexander Schiermeier. Er bückt sich und zeigt die Pflanze, die zur Gattung der Fuchsschwanzgewächse zählt. 30 bis 40 verschiedene Blumenarten habe er schon auf der Wiese von Alois Altendorfer gezählt, schildert Schiermeier. Der 23-Jährige säte sie vergangenes Jahr im Mai mit Hilfe einer alten „Kleegeige“ schonend an. Alexander Schiermeier ist seit 18 Jahren leidenschaftlicher Hobbygärtner und erhielt im Rahmen der Aktion „Bayern blüht – Naturgarten“ bereits einen Preis.

Auf Altendorfers Wiese gebe es nicht nur Margeriten, Glockenblumen und rosarote Kuckuckslichtnelken, freut sich Schiermeier. Hier fühlen sich auch das blau leuchtende Bienenkraut, Fasilien, der kleine Wiesenknopf, Wiesensalbei und die Färberkamille mit ihren gelben Blüten wohl. Wiesenpipal, Saatluzerne und Wiesenflockenblume gedeihen hier genauso wie duftender Gewürzfenchel, wilde Möhre, Farnklee, Brennnessel und Riesenlöwenzahn. Auch roter Klee, die kleine Braunelle oder die Saat-Esparsette, Rainfarn und Steinklee sind zu entdecken. Die Liste lässt sich noch weiter fortsetzen.

„Das gefällt mir selbst“, staunt Bauer Alois Altendorfer, der die Wiese einige Tage nicht gesehen hatte und nun von dem Blütenmeer begeistert ist. Er wolle die Blumenwiese mehrere Jahre so belassen. Das auf fünf Jahre angelegte Projekt startete er 2019 angesichts des Artenschutz-Volksbegehrens „Rettet die Bienen“. Für die Blumenwiese konnten Naturfreunde eine Patenschaft übernehmen, zum Beispiel über 100 Quadratmeter zu 50 Euro.

Die Idee habe Anklang gefunden, sagt Altendorfer. Es meldeten sich viele Interessenten, er habe jedoch kein Geld eingefordert – die Paten sollten die Summe nicht an ihn überweisen, sondern für einen sozialen Zweck spenden, der ihnen wichtig ist. Viele Menschen würden nach der Blumenwiese fragen, berichtet Schiermeier. Er führe sie dann zu der Wiese, auf der es vom Frühjahr bis zum Herbst blüht.

„Wir beide haben die größte Freude damit“, sagt Altendorfer in Richtung von Junglandwirt Schiermeier. „Er hat einen grünen Daumen und pflegt die Blumenfläche“. Schon im letzten Jahr sei der sonnenbegünstigte Osthang die „reinste Vogelwiese“ gewiesen. Als sie im Herbst gemäht und gehäckselt wurde, habe es noch 100 Meter entfernt „wie im Kräutergarten“ gerochen – ein beruhigender Duft. Angesichts der Trockenheit 2019 und der mangelnden Regenfälle heuer im Frühjahr hatte er befürchtet, nachsäen zu müssen: „Dass die Wiese in Kapfham nun von allein so schön ist, freut mich.“

„Das ist der richtige Weg“, versichert Karl Haberzettl beim Besuch der Wiese. Blühstreifen am Ackerrand reichten nicht aus, findet er. Auf dieser Wiese, die fünf Jahre bestehen bleibt, gebe es nicht nur bienenfreundliche Pflanzen. In dem Blütenmeer fänden viele weitere Insekten Nahrung und könnten hier auch überwintern. Die Honigbiene sei das drittwichtigste Nutztier in Bayern. Es gehe aber auch um Wildbienen und viele andere Kleintiere. „Wir brauchen solche Wiesen“, betont Haberzettl.

Er brachte eine Tafel unter dem Titel „Bayern blüht auf“ des Bayerischen Bauernverbands mit, um sie am Wiesenrand aufstellen zu lassen und die Spaziergänger über das wertvolle Wildblumenangebot zu informieren. Die Tafel habe hier ihre Berechtigung. „Die Landwirtschaft hat nicht nur für Ernährungssicherheit zu sorgen, sondern sich auch bei der Artenvielfalt einzubringen.“ 95 Prozent der hier wachsenden Blumen würden sich selbst wieder ansäen, es sind um heimische Wildblumenarten.

„Da ist nicht nur für das Auge schön, sondern auch eine Apotheke für die Kühe“, sagt Haberzettl. Zwar würden diese davon allein nicht glücklich, und auch die Menschen brauchten Milch, Käse und Fleisch, ergänzt Altendorfer. Gibt es aber keine Blühflächen mehr, würden noch mehr Insekten sterben, warnt Schiermeier. Wildbienen haben einen viel kleineren Flugradius als Honigbienen, die in einem Umkreis von drei Kilometern fliegen. Die Insekten brauchten diese Pflanzen. Der Hauhechel-Bläuling sei zum Beispiel auf eine bestimmte Pflanze angewiesen, etwa den Hornklee, auf den er seine Eier ablegt. Kleearten dienen als Futter für seine Raupen. „Die Schmetterlingsart braucht Lebensräume, die diese Wirtspflanzen beherbergen“, weiß der Landwirt. Ähnlich sei es bei der Glockenblumen-Scherenbiene, die gemäß ihrem Namen Glockenblumen sucht.

„Wenn es nach mir ginge, bliebe sie Dauergrünland“, sagt Bauer Altendorfer, der seinen Blick über die herrliche Blumenwiese schweifen lässt. Doch er hat die 2200 Quadratmeter große Fläche gepachtet und muss für den Eigentümer den Ackerstatus erhalten. Das Blütenmeer sei daher nach fünf Jahren umzubrechen. „Fräsen reicht nicht“, sagte er auf die Frage von Karl Haberzettl.

Haberzettl fordert die Politik auf, hier tätig zu werden und die Genehmigung dafür zu erteilen, dass für diese Blühflächen der Ackerstatus nach fünf Jahren nicht verloren geht. „Ich verteufle blühende Ackerrandstreifen keineswegs. Es ist aber nicht gut, wenn sie im Herbst umgepflügt werden, weil mehrjährige Pflanzen dann keine Chance haben.“


DAS SAGT DER BAUERNVERBAND DAZU

Von Theresa Wildfeuer

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"Wir fördern und unterstützen das", sagte BBV-Kreisobmann und stellvertretender Landrat Hans Koller auf PNP-Anfrage zur Blumenwiese auf dem Acker. Es handle sich um ein Projekt des Bauernverbands 2019 unter dem Motto "Blühendes Bayern". "Die Produktion der Lebensmittel ist das Eine. Es muss aber auch solche blühenden Flächen geben", sagt er. Der aktuellen Rechtslage zufolge sei es aber so, dass Blumenwiesen nach fünf Jahren umzuackern sind. Der Bauernverband habe sich für Lockerungen eingesetzt und eine Änderung der starren Regeln verlangt. Es habe jedoch Gerichtsprozesse gegeben, weil Pächter die Wiese über die Fünfjahresfrist hinaus beließen. Der Ackerstatus sei aufgehoben worden. "Ich hoffe, dass die gemeinsame EU-Agrarpolitik nach 2020/21 mehr Flexibilität ermöglicht."

Er habe bereits eine weitere 3700 Quadratmeter große Fläche aus der intensiven Nutzung genommen und ebenfalls Blühflächen geschaffen, erzählt Bauer Alois Altendorfer. Sein Wunsch sei, "wieder Libellen anzusiedeln". Nun hofft er, Nachahmer zu finden und auch seine Berufskollegen dafür zu gewinnen, "auf ein paar Quadratmeter zu verzichten und diese als Insektenweide zu nutzen".