Bayerns erste Haselmausbrücke - total danebengegangen


Die Haselmausbrücke auf dem ersten Abschnitt der Umfahrung Vilshofen hat bundesweit Schlagzeilen gemacht. Die Suche nach dem "Schuldigen" hält an. −Foto: Rücker

PNP | 10.01.2019 | Nachtarock zur Haselmausbrücke: Bund Naturschutz sauer auf Landrat

Vilshofen. Passaus Landrat Franz Meyer (CSU) mag keine Konfrontation. Er kann mit jedem. Umso mehr verwundert es, dass er deutliche Worte findet, wenn es um den Bund Naturschutz geht. Er zeigte 2012 und 2015 kein Verständnis dafür, dass der BN mit seinen Klagen gegen die Umfahrung Vilshofen dieses Projekt um Jahre verzögerte. Da schluckten die Naturschützer und konterten lediglich mit der Bemerkung: "Wir kämpfen nicht für uns, sondern für die Natur."

Jetzt, da das erste Teilstück eröffnet ist, ärgert sich Landrat Franz Meyer offenbar maßlos darüber, dass der Bund Naturschutz die Errungenschaft einer Haselmausbrücke – der ersten in Deutschland – kritisiert, ja, sogar ihre Sinnhaftigkeit in Zweifel zieht. Wiederholt sagte Meyer: "Da wird die Haselmausbrücke vom Bund Naturschutz schlecht geredet, obwohl er sie gefordert hat." Die Brücke sei so gebaut worden, wie es rechtlich vorgeschrieben worden sei, sagte Meyer kürzlich.

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Karl Haberzettl bringt das auf die Palme. Der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutzes lässt gewöhnlich Kritik und Häme am Engagement der Naturschützer an sich abprallen, "doch in diesem Fall muss ich mich wehren, weil wir vom Landrat verunglimpft und in ein schlechtes Licht gerückt werden". Der Bau einer Haselmausbrücke für die Umfahrung Vilshofen sei nie eine Forderung des Bund Naturschutzes gewesen. "Das weiß auch der Landrat, weswegen er bewusst etwas Falsches behauptet."

Zwar habe der Bund Naturschutz die Haselmaus ins Gespräch gebracht, "doch von der Brücke wussten wir anfangs nichts", stellt Haberzettl klar. Diese sei vor Gericht von der Planungsbehörde hervorgezaubert worden.

Haberzettl und Gillitzer verstehen nicht, warum das Staatliche Bauamt nicht enger mit ihnen zusammenarbeitet. "Hätte man vorher das Gespräch mit uns gesucht, wäre uns das ganze Tamtam um die Haselmausbrücke erspart geblieben", sind sie überzeugt.



Längst ist die überregionale Presse an der Haselmausbrücke interessiert:




Im Lindahofgelände befand sich ein Weiherbiotop, das im Juni zerstört wurde. "Zu diesem Zeitpunkt absolut rechtswidrig und unnötig", sagen Dr. Anton Huber und Helgard Gillitzer. Sie wollen "eine sofortige Untersuchung dieses skandalösen Vorgangs". −F.: Kuhnt

PNP | 31.08.2018 | "Es ist ein Skandal"

Vilshofen."Es ist ein Skandal" von Simone Kuhnt

Aus Sicht einer Haselmaus endet die wuchtige Brücke, die extra für sie gebaut wird, im Nichts. Vögel knallen gegen eine Lärmschutzwand aus Glas. Frösche finden statt ihres angestammten Weihers einen vertrockneten Tümpel vor – und Steuergelder werden massenweise zum Fenster hinausgeschmissen. Das ist die traurige Bilanz, die der Bund Naturschutz zieht, wenn es um den Bau der Umgehungsstraße Vilshofen und des Wohngebiets Lindahof III geht.

"Es ist ein Skandal", urteilen die Vorsitzenden der Ortsgruppe Vilshofen, Helgard Gillitzer und Andreas Schmid, sowie Dr. Anton Huber und Stadträtin Brigitte Pollock-Will bei einem Ortstermin. "Jeder wusste, dass das hier ein extrem sensibles Gebiet ist. Interessiert hat es keinen. Hier wurden Auflagen nicht eingehalten, hier wurde Mist gebaut", stellt Huber fest.

An manchen Stellen sei jetzt nicht mehr viel zu machen, für andere Stellen gebe es Möglichkeiten, die Situation zu verbessern, sagt der Bund Naturschutz.



Die Haselmausbrücke in Vilshofen. −Foto: Rücker

PNP | 30.10.2018 | Haselmausbrücke bei Vilshofen "ein Irrwitz"? Das sagt das Bauamt dazu

Vilshofen.

Die bayernweit erste Haselmausbrücke über die neue Umgehungsstraße von Vilshofen hat über die Region hinaus für Schlagzeilen gesorgt. Selbst Naturschützer kritisieren, die Brücke sei an dieser Stelle völlig sinnlos. Das Staatliche Bauamt Passau wehrt sich.

Die Haselmausbrücke stehe an der falschen Stelle und sei falsch gebaut worden, sagt Helgard Gillitzer, örtliche Vertreterin des Bund Naturschutz. "Wir haben gleich gesagt, dass diese Brücke keinen Sinn macht, weil das Haselmausbiotop auf der Seite mit dem Baugebiet nicht mehr existiert. Die Antwort: Aber hier ist sie laut Planfeststellung – also Genehmigung – eingezeichnet. Also hat man sie gebaut, obwohl sie für die Katz ist. Es ist ein Irrwitz!"

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Das Staatliche Bauamt hingegen betont, man habe "alle formaljuristischen und naturschutzfachlichen Belange bei der Planung und Umsetzung dieses Pionierprojekts berücksichtigt". Das Bauamt erklärt: "Neben einer bislang üblichen, und damit bereits in den Antragsunterlagen vorgesehenen Unterquerungsmöglichkeit müssen – als Ergebnis einer gerichtlichen Auseinandersetzung des Bund Naturschutz mit dem Planfeststellungsbeschluss – zwei Haselmausüberquerungen errichtet werden." Deren Planung sei unter der Hinzuziehung namhafter Experten erfolgt. Die bestehende Brücke solle im Frühjahr 2019 mit Büschen und Bäumen bepflanzt werden, um eine Verbindung zur Vegetation herzustellen.


PNP | 25.10.2018 | In Vilshofen steht nun die erste Brücke für Haselmäuse in Bayern

Vilshofen. Seit Mittwoch um 10.10 Uhr läuft in Vilshofen (Lkr. Passau) der Verkehr über den ersten Abschnitt der neuen Umfahrung. Auf der 800 Meter langen Strecke gibt es ein Kuriosum. Damit Haselmäuse sicher über die Straße kommen, wurde den kletterfreudigen Tieren eine Brücke über die Fahrbahn gebaut. Naturschützer hatten darum gekämpft und diesen Kompromiss vor Gericht erzielt.

Der erste Abschnitt der Umfahrung wurde in 17 Monaten gebaut und kostete fünf Millionen Euro. Das Projekt ist mit 40 Millionen Euro nach dem Bau der Umfahrung Plattling die teuerste Straßenbaumaßnahme in Bayern. Die 3,3 Kilometer lange Strecke soll 2024 endgültig fertig gestellt sein. Vilshofen erhofft sich eine Entlastung des innerstädtischen Verkehrs, bei dem in Spitzenzeiten annähend 25000 Fahrzeuge am Tag gezählt werden. − hr