BN-Veranstaltung mit Prof. Dr. Randolf Menzel, Freie Universität Berlin, am 22.09.2017 in Jacking

Download Vortrag "Die Intelligenz der Bienen und ihre Gefährdung duch Pestizide" von Prof.Dr. R. Menzel

Bekannt durch den Kinofilm More than Honey, der sich mit den Problemen des weltweiten Bienensterbens befasste, machte der international anerkannte Neurobiologe und Bienenforscher Prof. Dr. Randolf Menzel auf einer seiner vielen Vortragsreisen auch Zwischenstation in Passau. Über 200 Gäste folgten der Einladung der Kreisgruppe des BUND Naturschutzes in das Gasthaus Knott in Jacking. Vorsitzender Karl Haberzettl war sichtlich erfreut, dass neben Naturschützern natürlich sehr viele Imker und auch viele Landwirte teilweise von weither angereist kamen, nur um Prof. Menzel zu hören.

Die in der Nutzung der Imker stehende Honigbiene ist seit jeher ein „Wildtier“ geblieben. Darum braucht sie, wie ihre wilden Verwandten, die Hummeln und Wildbienen, einen von der Natur reichlich gedeckten Tisch aus Nektar und Pollen. Aus dem Nektar und Pollenspektrum im Flugbereich eines Bienenvolkes lassen sich relativ einfach Umwelteinflüsse in unserer Kultur- und Naturlandschaft ablesen, deshalb gelten Honigbienen für die Wissenschaft als wichtige Indikatoren. Sie zeigen uns leider auch, dass in unserer industrialisierten Agrarlandschaft mit Monokulturen und Pestizideinsatz vieles nicht mehr stimmt. Die Situation, die sich derzeit nicht nur bei den Bienen, sondern in der gesamten Insektenwelt abspielt, sei dramatisch, so Karl Haberzettl. Fehlende Insekten wirken sich auch nachteilig auf die Vogel- und Amphibienwelt aus, die eben Insekten als Nahrung zum Leben benötigen. Dies bestätigte ihm auch Prof. Menzel anhand einiger Beispiele aus den Forschungen seiner Kollegen. Besonders auffallend ist, so Prof. Menzel, dass seit Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts mit Einführung der sogenannten Neonicotinoide, die nicht nur auf das Nervensystem der Schadinsekten besonders aggressiv wirken, ein deutlicher Zusammenhang mit dem Verschwinden vieler nützlicher Insektenarten erkennbar ist. Bezogen auf die Bienen sind in erster Linie nicht die Honigbienen wirklich gefährdet, die in der Obhut der Imker stehen, sondern die vielen Wildbienen und Hummelarten, deren Verschwinden kaum jemand wahrnimmt.

Was für die Imker nur ein Traum bleiben wird, ihre Honigbienen einmal auf der Suche zu den verschiedensten Nahrungsquellen zu begleiten, machte das Forscherteam um Prof. Menzel zur Wirklichkeit. Die Wissenschaftler bestückten einzelne Honigbienen mit einem Transponder, um mit einem Radargerät deren Flugverhalten über eine größere Distanz zu beobachten. Auf diese Weise konnten sie beweisen, dass die Bienen, ähnlich wie Menschen, bei der Navigation eine innere Landkarte benutzen, die sie sich erst durch Orientierungsflüge einprägen müssen. Anfangs ging Prof. Menzel noch davon aus, dass die Honigbienen bei ihren Navigationsflügen überwiegend ein angeborenes Verhaltensmuster zeigen und sie wegen ihres kleinen Gehirns, das nicht größer als ein Stecknadelkopf ist, auch nicht besonders klug sein können. Weitere Experimente machten jedoch deutlich, dass sich die Bienen durchaus veränderter Situationen schnell anpassen können, indem sie Regeln erkennen, sie anwenden und kombinieren und letztlich Entscheidungen treffen. Hierbei handelt es sich nicht um primitive Verhaltensmuster, sondern um Intelligenz, die auf Lernen beruht, schwärmt Prof. Menzel von seinen Schützlingen.

Auch die Pflanzenschutzmittel-Industrie wurde auf seine Forschungen schnell aufmerksam und vergab Forschungsaufträge bezüglich der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Als Prof. Menzel aber die wahren Ergebnisse präsentierte, wurden diese angezweifelt. Man verlangte die Herausgabe der Originaldaten und bestand darauf, dass die Daten in keiner Weise verwendet werden dürften. Trotzdem wurde von Prof. Menzel auf eigene Faust weitergeforscht und er fand heraus, dass selbst Pflanzenschutzmittel, die als bienenungefährlich eingestuft und verkauft werden, wie z.B. Insektizide mit dem neonicotinoiden Wirkstoff Thiacloprid oder das als häufig harmlos bezeichnete Herbizid Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat, die biologischen Vorgänge im Bienengehirn bis zum irreversiblen Absterben ganzer Gehirnareale massiv beeinflussen. Bienen, die diese Wirkstoffe in der freien Natur auch nur in geringsten Dosen aufnehmen, werden apathisch, haben Probleme im Lernverhalten, finden oftmals mangels Orientierung nicht mehr in ihren Bienenstock zurück und sterben deshalb.

Prof. Menzel versteht die Bienen wie kaum ein anderer Wissenschaftler. Gerade deshalb lässt es ihm keine Ruhe, dass unseren Bestäubern Gefahren durch Pflanzenschutzmittel drohen, die in der Landwirtschaft, aber auch außerhalb im kommunalen und Privatbereich eingesetzt werden. „Es ist noch nicht zu spät, aber wir sollten nicht mehr länger abwarten“, appellierte Prof. Menzel und forderte ein generelles Umdenken bei den Verantwortlichen in Landwirtschaft und Politik, was die Zulassung und Anwendung dieser gefährlichen Pflanzenschutzmittel betrifft.

Download Vortrag "Die Intelligenz der Bienen und ihre Gefährdung duch Pestizide" von Prof.Dr. R. Menzel


Bienen als Umweltindikatoren: Professor Dr. Randolf Menzel sieht im Pestizideinsatz in der Landwirtschaft eine Ursache für das Artensterben bei Bienen. − Foto: Stockmeier

Tiefenbach | 05.10.2017 | PNP | Glyphosat schädigt Bienengehirn

Über die Intelligenz der Bienen und ihre Gefährdung durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hat der international anerkannte Neurobiologe und Bienenforscher Professor Dr. Randolf Menzel von der Freien Universität Berlin im Gasthaus Knott in Jacking erzählt. Der Bienenexperte wurde durch den Kinofilm "More than Honey", der sich mit den Problemen des weltweiten Bienensterbens befasst, bekannt. Der Wissenschaftler kam auf Einladung der Kreisgruppe des Bund Naturschutz in den Landkreis Passau. Rund 200 Besucher kamen, unter ihnen nicht nur Naturschützer, sondern auch Imker und Landwirte.

Honigbiene als Hinweisgeber

Die Honigbiene, die von den Imkern genutzt wird, sei ein "Wildtier" geblieben, schilderte Professor Randolf Menzel. Sie brauche wie ihre Verwandten, die Hummeln und Wildbienen, einen von der Natur reich gedeckten Tisch aus Nektar und Pollen.

Die Situation, die sich derzeit in der gesamten Insektenwelt abspielt, sei dramatisch, betonte Karl Haberzettl, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz. Fehlende Insekten wirkten sich nachteilig auf die Vogel- und Amphibienwelt aus, die Insekten als Nahrung zum Leben benötigen. Menzel bestätigte dies anhand von Forschungen seiner Kollegen. Auffallend sei, dass mit der Einführung der Neonicotinoide Ende der 1980er Jahre ein deutlicher Zusammenhang zum Verschwinden vieler Nutzinsektenarten erkennbar ist, sagte Menzel. In erster Linie seien nicht die Honigbienen gefährdet, sondern die Wildbienen und Hummelarten, deren Verschwinden kaum jemand wahrnehme. "Es ist noch nicht zu spät, aber wir sollten nicht mehr länger abwarten", appellierte auch Menzel. Er forderte ein generelles Umdenken bei den Verantwortlichen in Landwirtschaft und Politik, was die Zulassung und Anwendung dieser gefährlichen Pflanzenschutzmittel betrifft. Die Zuhörer zeigten sich von dem Vortrag beeindruckt. Karl Haberzettl kündigte an, dass dieser in den nächsten Tagen auf der Internetseite der BN-Kreisgruppe veröffentlicht wird.