Der Jungwald kommt nach: Erwin Petri (von links) von der Waldbaugenossenschaft Steinberg erläutert mit Forstdirektor a.D. Michael Held, Karl Haberzettl, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, und Professor Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern, die Schäden im Wald. Sie fordern mehr staatliche Unterstützung für einen naturnahen Wald, der dem Klimawandel standhält. − Foto: Wildfeuer

11.09.2017 | PNP | Mischwäldern gehört die Zukunft

Bund Naturschutz fordert jährlich 100 Millionen Euro für Waldumbau – Fichtenreicher Wald vom Sturm stärker betroffen

Theresia Wildfeuer

Salzweg/Hauzenberg. Mehr Geld, mehr Personal und mehr Jagd forderte der Bund Naturschutz gestern bei der Besichtigung von fichtenreichem Privatwald in der Gemeinde Salzweg, dem der Orkan vom 18. August stark zusetzte, und von Genossenschaftswald mit Mischbeständen bei Hauzenberg, der dem Sturm besser standhielt.

Professor Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern, trat dafür ein, auf den von den Windwürfen betroffenen Flächen Mischbestände, Laubholz und Tannen, zu schaffen und den naturnahen Waldumbau bayernweit voranzubringen. Mischwäldern gehöre die Zukunft. Den Landkreisen Passau und Freyung-Grafenau bescherte die Sturmnacht einen Sturmholzanfall von rund 2,3 Millionen Festmetern.

Waldbesitzer klagt über Preispolitik der Sägewerke

Zu Beginn besichtigten die Teilnehmer einen Fichtenreinbestand von Christian Böhm in Straßkirchen, der größtenteils dem Sturm nicht standhielt. Der Wald entstand vor 50 bis 80 Jahren, als teilweise mit staatlicher Beratung Wiesen in großem Stil aufgeforstet wurden. Der Wald sei Haupteinkommen seines Betriebs, sagte Böhm. Ein Drittel seines Bestands sei vom Sturm betroffen. Er sei um jede Hilfe froh. Die Sägewerke nutzten die Situation aus, klagte er. Der Preis je Festmeter sei um 20 Euro gesunken. Für die Aufarbeitung der Schäden seien 25 Euro je Festmeter zu zahlen. Es blieben somit lediglich 15 Euro je Festmeter übrig. Die Flächen müssten aber neu aufgeforstet werden und dann gelte es, 50 bis 60 Jahre zu warten, um wieder einen Wald zu haben. Unterstützung sei wichtig, damit nicht Mutlosigkeit um sich greife, sagte Weiger.

Der Besuch eines Genossenschaftswalds am Lichtenauer zeigte, dass der laubholzreiche Wald, der sich verjüngt und viele Tannen enthält, weniger Sturmschäden aufweist. Erwin Pauli von der Waldbaugenossenschaft Steinberg erläuterte, dass vor 30 Jahren ein Buchenvorbau angelegt wurde. Bei den Aufräumarbeiten mit dem Harvester gelinge es, diesen zu schonen.
Professor Weiger begrüßte bei einer Pressekonferenz im Gut Lichtenau die vom Freistaat zur Verfügung gestellte Soforthilfe in Höhe von rund 100 Millionen Euro. Das Geld reiche aber bei Weitem nicht aus. Es seien weitere 100 Millionen Euro für die Waldbesitzer sowie für Personal und eine professionelle Beratung notwendig, um den Waldumbau hin zu einem naturnahen Mischwald konsequent voranzubringen. Der Freistaat sei mehr gefordert als bisher, seinen Beitrag zu leisten: durch Energiewende- und Verkehrswende sowie die Förderung naturnaher Land- und Waldwirtschaft.

Der Klimawandel sei Realität und der Wald sein erstes Opfer, sagte Weiger. Im Wald rächten sich die Fehler der Vergangenheit, der Anbau von Nadelreinbeständen. Es sei ein Wettlauf mit der Zeit geworden, gegenzusteuern und die bayernweit vorhandenen rund 700000 Hektar Fichten- und Kiefer-Reinbestände naturnah umzubauen. Derzeit würden jährlich rund 6300 Hektar in Mischwald umgewandelt.

Weiger: Auch die Jäger müssen sich einbringen

"Ohne eine massive Beschleunigung haben wir keine Chance, in der verbleibenden Zeit im Schutz der alten Bäume, Laubwald aus Buche und Weißtanne zu pflanzen", betonte Weiger. Diese halte dem Klimawandel besser stand. Der Bund-Naturschutz-Chef mahnte an, Konsequenzen aus der Katastrophe zu ziehen und die Gewinne der Bayerischen Staatsforsten nicht in den Staatshaushalt zu stecken, sondern in den Waldumbau sowie zusätzliche Staatsmittel bereitzustellen und Förderprogramme aufzulegen.

Weiger appellierte zugleich an die Jäger, sich in die Jahrhundertaufgabe Waldumbau einzubringen. Die Besichtigungen zeigten, dass dieser nicht nur durch das Engagement der Waldbesitzer zu leisten ist, sondern es notwendig ist, das sich Jäger und Jagdgenossenschaften aktiv für den Grundsatz "Wald vor Wild" einsetzen.



Besonders stark hat es bei dem Unwetter den Landkreis Passau getroffen. − Foto: Heisl

11.09.2017 | PNP | BN: Staatshilfen nach Sturm nur "erster Schritt"

Für den Waldumbau werden laut Bund Naturschutz jährlich 100 Millionen Euro benötigt

Hauzenberg. Nach dem Unwetter in Niederbayern fordert der Bund Naturschutz (BN) für den Waldumbau jährlich 100 Millionen Euro, deutlich mehr Personal und eine waldverträgliche Rehwilddichte.

"Insbesondere ist nun wichtig, dass auf den von den Windwürfen betroffenen Flächen stabile Mischbestände mit Laubholz und möglichst viel Tanne begründet werden", sagte BN-Vorsitzender Hubert Weiger bei einer Fahrt durch die betroffenen Gebiete. Mischwälder seien wesentlich stabiler als die reinen Fichtenwälder, die bei dem Orkan am 18. August über weite Strecken wie Streichhölzer umgeknickt seien.

Die bayerische Staatsregierung hat für den Waldumbau bereits 20 Millionen Euro in Aussicht gestellt. "Das ist nicht mehr als ein erster Schritt", sagte Weiger. In Bayern gebe es noch immer eine Fläche von 700 000 Hektar reinen Nadelwald, momentan würden aber nur gut 6000 Hektar pro Jahr umgebaut.

"Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Unsere zentrale Forderung ist, dass wir den Waldumbau massiv beschleunigen. Dafür brauchen wir mindestens 100 Millionen Euro pro Jahr." Finanziert werden soll das durch den Gewinn der Staatsforsten und zusätzlichen Mitteln aus dem Haushalt.