Der Vorstand der Kreisgruppe Passau stellt hier interessante Themen vor

Die Unterlagen zum Vortrag "Der gesunde Schlaf" vom 02. Dezember 2020 kann bei Interesse direkt beim BN angefordert werden.

Den Anfang macht Volkmar Hintze mit "Elektrosmog: Vernetzt - verstrahlt?" aus der Reihe "Gesund wohnen - besser leben

Elektrosmog: Vernetzt - Verstrahlt?

Heute sind wir – gewollt oder ungewollt – dem Einfluss künstlicher elektromagnetischer Felder (EMF, umgangssprachlich oft auch als "Elektrosmog" bezeichnet) ausgesetzt.

Nach der Versorgungskarte der Bundesnetzagentur ist Deutschland gut und fast flächendeckend mit Mobilfunk (3G, 4G) versorgt. Dennoch ertönt immer lauter der Ruf von der Politik und Wirtschaft nach noch weiteren und schnelleren Systemen. In Deutschland gibt es etwa schon etwa 75.000 Standorte mit rund 350.000 Mobilfunk-
Sendeanlagen, etwa zwei Millionen kleinere Sendeanlagen, rund 100 Millionen häusliche Sendeanlagen wie WLAN oder schnurlose Telefone sowie ca. 140 Millionen Mobiltelefone/Smartphones – sie alle senden hochfrequente gepulste elektromagnetische Felder aus, die unseren Körper draußen und im Haus durchdringen.

Sicher, wir können die Uhr nicht zurückdrehen, aber die gesundheitlichen Belastungen durch die enormen Wachstumsraten der mobilen Datenübertragung sollten kritisch begleitet werden und auf einem möglichst niedrigem Niveau gehalten werden. Mit den neuen Mobilfunkstandard LTE, LTE-advanced und jetzt auch verstärkt 5G-NR vergrößert sich sowohl die Zahl von Standorten als auch die Höhe der einwirkenden hochfrequenten Strahlung (EMF) drastisch. Geplant sind dafür rund mindestens 100.000 neue Antennen, speziell für den neuen Standard 5G. Damit verbunden ist auch eine erhöhte „Zwangsbestrahlung“ von Lebewesen und Umwelt durch neue Mobilfunkmasten.

Die Mobilfunk-Technik: was ist LTE und 5G?

Der Mobilfunk war seinerzeit angetreten, Telefonate und später auch Daten abseits von Festnetzanschlüssen unterwegs und mobil anzubieten. Die ersten Mobilfunknetze entstanden in den 60er und 70er Jahren und wurden als „Autotelefon“ in analogen Betrieb errichtetet. Mit der Einführung des „C-Netzes“ 1984 erfolgte der Start der Digitalisierung.

Mit GSM, also der 2. Generation (G2) , dem D1 und D2-Netz wurde der Durchbruch erreicht. Heute ist dieser Standard aber fast zurückgebaut.

Die 3.Generation, das UMTS (3G) bot schon die Möglichkeit neben dem Telefonieren auch höhere Datenraten zu übertragen.

Heute ist die 4.Generation (4G) die übliche Technik. Sie wird auch als LTE bzw. genauer als LTE-advanced bezeichnet. Die Bandbreite des 4G beträgt bis 20 MHz und erlaubt so viele Kanäle zu nutzen.

In Deutschland nutzen die Netzbetreiber die ersteigerten LTE-Frequenzen in den Bereichen 700-MHz, 800-MHz, 1800-MHz und 2600-MHz für 4G. Grundsätzlich kann man sagen: Telekom, Vodafone und o2 bauen die ländlichen Regionen mit 700-MHz und 800-MHz aus. In den Städten kommen 1800-MHz und 2600-MHz zum Einsatz. Es ist eine physikalische Gesetzmäßigkeit, dass mit steigender Frequenz die Reichweitesinkt.

Daher wird auch bei dem neuen 5G-Standard mit verschiedenen Frequenzbändern gearbeitet. Für die Flächenabdeckung, also im ländlichen Bereich kommt der Frequenzbereich1 (FR1) von 450 MHz bis 6 GHz zum Einsatz, während in Ballungsbereichen der FR2 ab 2,425 GHz bis 5,26 GHz vorgesehen ist. Später ist geplant Frequenzen bis 33GHZ zu verwenden. Ab 30 GHz tritt man dann in den Millimeter-Wellenbereich ein. Besonders im städtischen Bereich wird es dann zu einer massiven Verdichtung der 5G-Sendeanlagen kommen, eben aufgrund der geringen Reichweite.

Solche Sendeanlagen können dann beispielsweise in Straßenlampen, Ampeln, Schildern, auf Trafohäuschen oder der Stadtmöblierung angebracht werden. Zu erwähnen ist auch, dass die 5G-Technologie etwa auch die 5-fache Energie wie 4G benötigt, also nicht in Sachen Klimaschutz nicht nachhaltig ist.

Gesundheitliche Effekte

Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, viele Berichte und Beobachtungen an Menschen, Tieren und Pflanzen sowie Studien zur Häufigkeit bestimmter Krankheiten, die EMF als Ursache für gesundheitliche Probleme ausmachen oder einen Zusammenhang dazu herstellen. Insbesondere die gesundheitlichen Schädigungen der athermischen Leistungsflussdichten, also unter dem gesetzlichen Grenzwert, rücken immer mehr in den wissenschaftlichen Fokus. Viele industrieunabhängige Studien haben mittlerweile deutlich Belege für Schädigungen nachgewiesen.

So hat die WHO bereits 2011 die Mobilfunkstrahlung als möglicherweise krebserregend eingestuft. Seit 1990 haben über 80 Studien DNA-Strangbrüche (Erbgutveränderungen) durch EMF nachgewiesen. Aber auch sind Schädigungen der Spermien, und verminderte Fruchtbarkeit belegt. Auch die Bildung freier Radikale (ROS=Reactive Oxygen Species) und damit verbunden oxidativer Stress (Bildung von Radikalen) wird von vielen seriösen Wissenschaftlern nicht geleugnet. Das nur als einige Beispiele möglicher Gesundheitsschädigungen.

Besonders schutzbedürftige Gruppen wie Kinder, Ungeborene und Kranke benötigen den Schutz des Gesetzgebers. Der Einsatz mobiler Funktechniken oder Hochspannungsleitungen darf nicht zu ihren Lasten gehen. Werdendes menschliches Leben, Kinder und Jugendliche reagieren besonders sensibel auf EMF. Der Grund: Während der Entwicklungsphase von Organen sind Einwirkungen besonders gravierend und haben häufig lebenslange Folgen.

Eine aktuelle Veröffentlichung von Alain Thill mit einer Übersicht von Studien hat die deutlichen biologischen Wirkungen von EMF auf Insekten aufgezeigt. Aus Sicht des Bund Naturschutz ist es daher lange überfällig, das Vorsorgeprinzip anzuwenden, z.B. durch Minimierung der Belastung nach dem Grundsatz: so gering, wie es technisch machbar ist. Durch den flächendeckende Ausbau der Glasfasernetze für die Breitbandnutzung in Haushalten und betrieben.


Hier folgt bald ein interessanter Beitrag von Helgard Gillitzer.