Ein Problem, zwei Fotos: Die Abschwemmung in einem Maisacker (l.) und die Folgen davon (r.). − Fotos: BN

16.07.2016 - PNP - Dramatische Folgen der Flut sind hausgemacht

BN kritisiert moderne Landwirtschaft und Politik und fordert Klimawandel konsequent zu bekämpfen

Passau/Freyung. "Auch die moderne, in vielen Bereichen nicht nachhaltige Landwirtschaft spielt eine Rolle bei der Flutkatastrophe in Niederbayern", sagen die Vorsitzenden der Bund Naturschutz-Kreisgruppen (BN) Passau und Freyung-Grafenau, Karl Haberzettl und Dr. Peter Mayer. Sie kritisieren in einer Pressemeldung vor allem den Maisanbau, weil dadurch Grünland als Rückhaltefläche für Wasser immer mehr in Acker umgewandelt wurde.

"Kommt ein Wolkenbruch, werden Boden und die fruchtbare Ackerkrume einfach weggeschwemmt. Das sind die braun-gelben Fluten, die man dann in den Bächen und Flüssen sieht", so die Vorsitzenden. Besorgte Anfragen nach der Hochwasserkatastrophe erreichte die BN-Kreisgruppen von Bürgern, hinterlegt mit Fotos von abgeschwemmten Maisäckern, deren Schlamm sich in Wohnzimmern, Kellern und Gärten wiederfand.

Und die Naturschützer kennen Antworten: "Mit den Biogasanlagen und immer mehr Großvieheinheiten steigt der Druck auf die Fläche. Denn gerade Mais ist neben Futter auch eine Energiepflanze. Als Folge des Maisanbaus wird der Boden stark verdichtet. Damit sinkt die Aufnahmekapazität für Niederschläge", erklären Karl Haberzettl und Peter Mayer unisono.

Die Kreisvorsitzenden stellen aber auch klar: "180 Liter Wasser in wenigen Stunden verkraftet auch eine ökologische Landwirtschaft nicht. Zudem sind die industrialisierte Landwirtschaft und Maisäcker nicht die allein Schuldigen." Gerade bei Fließgeschwindigkeit und Menge des Wasser verschärfe die Flächenversiegelung durch Straßenbauprojekte und Gewerbegebiete auf der grünen Wiesen die Situation. Darüber hinaus würden die Gemeinden das Oberflächenwasser aus einem Baugebiet oft auf schnellstem Weg über dazwischen geschaltete Regenrückhaltebecken in den nächsten Bach bringen. "Die Konsequenzen dieser Politik sind jetzt in beiden Landkreisen zu sehen", so das Fazit der Kreisvorsitzenden.

Um dem entgegenzuwirken, müsse die Rückhaltefähigkeit der Böden verbessert, das heißt die Bodenverdichtung reduziert und der Humusgehalt in den oberen Bodenschichten erhalten oder wieder aufgebaut werden. Auch müssten Gewässerrandstreifen verpflichtend werden, um den Eintrag von Schlamm in die Gewässer deutlich zu verringern. Karl Haberzettl: "Solche Maßnahmen können zwar derartig schlimme Folgen nicht ganz verhindern, aber die Auswirkungen deutlich reduzieren."

Die dramatischen Folgen der Flutkatastrophen im Regierungsbezirk Niederbayern sind für den BN ein Alarmsignal: "Es muss endlich dazu führen, dass wesentlich konsequenter als bisher der Klimawandel bekämpft wird." Der BN fordert deshalb, dass nicht nur den großen Flüssen mehr Platz gegeben wird, sondern dass dort, wo es möglich ist, dezentrale Hochwasserrückhaltemaßnahmen ergriffen werden, etwa der Bau sogenannter Grünbecken. Gleichzeitig muss die Wasserrückhaltefähigkeit in der gesamten Landschaft durch eine bodenschonende Landbewirtschaftung, durch die Umwandlung von Ackerflächen in Wiesen und Weiden, durch die Renaturierung von Mooren und durch die Renaturierung von Fließgewässern verbessert werden. "Wenn sich ein Sturzregen in den natürlichen oder wiederhergestellten Flussauen unseres Landkreises ungehindert ausbreiten darf, bedeutet dies auch eine spürbare Senkung des Hochwasserpegels in der Stadt Passau", so Peter Mayer. − red