Die Abschwemmung im Maisacker...
... und das Resultat. − Fotos: Bund Naturschutz

15.07.2016 - PNP - "Ackerboden gehört nicht ins Wohnzimmer"

Naturschützer: "Bauern sind nicht die allein Schuldigen, sondern wir alle"

FRG/Passau. Nach Ansicht der Vorsitzenden der BUND Naturschutz- Kreisgruppen Passau und Freyung-Grafenau, Karl Haberzettl und Dr. Peter Mayer, spielte bei der Flutkatastrophe in Niederbayern auch die "moderne", in vielen Bereichen nicht nachhaltige und umweltgerechte Landwirtschaft sowie der Verlust von Wiesen und Weiden eine Rolle. Der Maisanbau erfasse in den letzten Jahrzehnten zunehmend auch die Region in Freyung-Grafenau.

"Besonders der Mais steht in der Kritik; früheres Grün- und Weideland als Rückhaltefläche für Wasser ist immer mehr in Acker vor allem für den Maisanbau umgewandelt worden", werden die Vorsitzenden in einer Presseerklärung des BN zitiert. "Kommt ein Wolkenbruch, werden Boden und die fruchtbare Ackerkrume einfach weggeschwemmt. Das sind die braun-gelben Fluten, die man dann in den Bächen und Flüssen sieht."

Mit den Biogasanlagen, aber auch mit immer mehr Großvieheinheiten steige der Druck auf die Fläche. Denn gerade Mais dient neben Futter auch als Energiepflanze. Zudem werde als Folge des Maisanbaus der Boden stark verdichtet. Damit sinke die Aufnahmekapazität für Niederschläge. "Wir müssen den Mais reduzieren und bodenverträglichere Pflanzen anbauen", so die Kreisvorsitzenden Mayer und Haberzettl.

Auch die Bodenverdichtung mit immer größeren Landmaschinen spiele eine große Rolle, was von den Verantwortlichen immer heruntergespielt werde. Karl Haberzettl: " Heutzutage ist man in den Feldern mit Feldgespannen unterwegs, die für öffentliche Straßen eine Sonderzulassung brauchen. Monster-Forst- und -Landmaschinen verdichten die Böden durch ihre Tonnenschwere, sodass die natürliche Schwammfunktion und Speicherkapazität von Waldböden, Äckern und Wiesen zerstört werden".

Beschwerden und besorgte Anfragen von betroffenen Bürgern nach der Hochwasserkatastrophe habe die BN-Kreisgruppen erreicht, hinterlegt mit Fotos von abgeschwemmten Maisäckern, deren Schlamm sich in Wohnzimmern, Kellern und Gärten wiederfand. (Siehe auch www.passau.bund-naturschutz. de/brennpunkte-vor-ort/hochwasser-in-niederbayern.html)

Peter Mayer: "Gerade in unseren Hanglagen führt jeder Starkregen zu massiven Abschwemmungen aus den Maisflächen; mit der Folge eines klebrigen und schwer entfernbaren Schlammes auf Wegen, Straßen und in den Häusern."

Deshalb seien Verkehrs- und Landwirtschaftsministerium gefordert, wesentlich stärker als bisher ihren vorbeugenden Beitrag zu leisten.

Mayer und Haberzettl: "Industrialisierte Landwirtschaft und Maisäcker sind aber nicht die allein Schuldigen und 180 Liter Wasser in wenigen Stunden verkraftet auch eine ökologische Landwirtschaft nicht. " Eine große Rolle, gerade was die Fließgeschwindigkeit und die Menge des Wassers anbelangt, spiele auch die Flächenversiegelung in Gewerbegebieten. Immer mehr Supermärkte und deren Parkplätze auf der ehemals grünen Wiese, immer mehr und größere Straßen seien genauso schuld. Die Mehrzahl der politisch Verantwortlichen in den Gemeinden und Stadtparlamenten wolle das Oberflächenwasser aus einem Baugebiet auf schnellstem Weg über dazwischen geschaltete Regenrückhaltebecken in den nächsten Bach (so genannter Vorfluter) bringen − nach dem Motto "aus den Augen aus dem Sinn". Warnungen von Fachleuten werden meist mit den Worten abgetan: "Des geht scha na". Die Konsequenzen dieser Politik seien jetzt in den beiden Landkreisen zu besichtigen…

Entscheidend sei es auch, die Rückhaltefähigkeit der Böden zu verbessern, das heißt die Bodenverdichtung, wie sie gerade beim Maisanbau entsteht, zu reduzieren und den Humusgehalt in den oberen Bodenschichten zu erhalten oder wieder aufzubauen. Auch müssten Gewässerrandstreifen verpflichtend werden, um den Eintrag von Schlamm in die Gewässer zumindest erheblich zu verringern. Karl Haberzettl: "Diese Maßnahmen können natürlich derartig schlimme Folgen nicht gänzlich verhindern, aber sie können in ihren Auswirkungen deutlich reduziert werden".

Die dramatischen Folgen der Hochwasserkatastrophen vor allem im Regierungsbezirk Niederbayern sind für den Bund Naturschutz (BN) ein Alarmsignal, "welches endlich dazu führen muss, dass wesentlich konsequenter als bisher der Klimawandel bekämpft wird und im Sinne der Vorbeugung – konkret den Maisanbau betreffend – Schutzmaßnahmen ergriffen werden".

Der BN fordert deshalb, dass nicht nur den großen Flüssen mehr Platz gegeben wird, sondern dass überall dort, wo es möglich ist, dezentrale Hochwasser-Rückhaltemaßnahmen ergriffen werden, wie zum Beispiel durch den Bau so genannter Grünbecken. Gleichzeitig müsse die Wasserrückhaltefähigkeit in der gesamten Landschaft durch eine bodenschonende Landbewirtschaftung, durch die Umwandlung von Ackerflächen in Wiesen und Weiden, durch die Renaturierung von Mooren und durch die Renaturierung von Fließgewässern verbessert werden. "Wenn sich ein Sturzregen in den natürlichen oder wiederhergestellten Flussauen unseres Landkreises ungehindert ausbreiten darf, bedeutet dies auch eine spürbare Senkung des Hochwasserpegels in der Stadt Passau", so Peter Mayer. − pnp