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07.03.2017- PNP - "Verkaufen keine Fläche für diesen Unfug" Bauern protestieren gegen Nordtangente

Demonstration in Glotzing – Bauern protestieren gegen Umfahrungsstraßen – "Völlig überdimensionierte Projekte"

von Andreas Windpassinger

Hauzenberg/Untergriesbach. Mit einem öffentlichkeitswirksamen "Bauernaufschrei" haben Landwirte am Wochenende in Glotzing (Hauzenberg) gegen die geplanten Umgehungsstraßen für Hauzenberg und Untergriesbach protestiert. Der "Zweckverband Autobahnzubringer" plant entsprechende Straßen unter anderem bei Jahrdorf und Oberötzdorf.

Zuletzt hatte der Verband die Absicht bei der Verbandssitzung im Januar formuliert. Als Reaktion darauf haben sich nun betroffene Bauern in den beiden Gemeinden zusammengeschlossen und gemeinsam lautstark gegen den "flächenfressenden Straßenbau" auf ihren landwirtschaftlichen Flächen demonstriert. Dazu war am Samstag eine große Schar von Bauern und Dorfleuten zum Urmann-Anwesen in Glotzing gekommen. Anwesend waren auch Kommunalpolitiker, Hauzenberger Stadträte und Bürgermeisterin Gudrun Donaubauer samt ihren beiden Stellvertretern.

"Negativbeispiel" Hundsdorf

Nicht nur die Landwirte, sondern auch Naturschützer äußerten ihr Unverständnis. Appelle an Landrat und weitere politische Entscheidungsträger richteten Bauernschaft, die Bund Naturschutz-Kreisgruppe Passau und die Bürgerinitiative "Natur ja – Nordtangente nein". Die gemeinsame Botschaft: Man werde keine landwirtschaftlichen Flächen für Straßen dieses Ausmaßes zur Verfügung stellen. "Bauern brauchen Boden", hieß es auf den Plakaten. An anderer Stelle war zu lesen: "Die Lerche wird verschwinden und mit ihr die Höfe auch, wenn ihr uns die Felder raubt." Der Protest wurde nicht nur in Texte, sondern auch in Lieder gekleidet: Hans Schauer schnappte sich das Akkordeon und besang mit alten Liedern das Hauzenberger Land und die Heimat. Alle kritisierten den "Flächenfraß", die "Verschandelung der Heimat" und "völlig überdimensionierte Straßenbauten"

Die Bauern plädierten für eine "vernünftige Anbindung des Altlandkreises Wegscheid", sagten "flächenfressenden Monsterprojekten" den Kampf an.

"Schauen wir uns doch mal Hundsdorf an", schimpfte Hans-Georg Schauer. "Das ist doch eine riesengroße Idiotie, was da straßenmäßig geschaffen worden ist. Völlig überdimensioniert, ich kenne niemanden, der das für gut befindet. Es hätte für die ganze Sache viel einfachere Lösungen gegeben." Schauer bekam Unterstützung von Josef Stemplinger, Rudi Urmann, Anita Oberneder, Thomas Tauer und Martin Ziegler. Das Sextett befürchtet schwere Einschnitte in der Landwirtschaft. Es geht um eine angedachte Trassenführung zwischen Renfting und Glotzing. Den geplanten Straßenverlauf hatten die Demonstranten auf dem Urmann-Hof in Sichtweite. Die Bauern und Dorfleute aus Renfting, Loifing und Glotzing wollten nun ein Zeichen gegen Nordtangente und Südumfahrung setzen.

Trasse zwischen Renfting und Glotzing

"Der Passauer Landkreis ist Spitzenreiter im Flächenfraß", meinte Hans-Georg Schauer. Er und seine Mitstreiter sind sich einig: Es kann nur eine vernünftige und für alle Beteiligten verträgliche Lösung geben, die gemeinsam mit den Landwirten und Betroffenen erarbeitet wird, ohne Enteignung. Nur dann sei das Hauzenberger Land mit seinem Naherholungsgebiet nicht in Gefahr.

Flächenversiegelung

Zum landwirtschaftlichen Verlust von Grund und Boden nannte Thomas Tauer vom Bund Naturschutz Zahlen: Der Landkreis Passau habe eine Fläche von 153028 Hektar. "Davon haben wir von 1980 bis heute über 10000 Hektar landwirtschaftliche Fläche verloren – und zwar überwiegend für Siedlungs-, Gewerbe- und Verkehrsflächen. Das entspreche einer verbauten Fläche in der Größe der Stadt Passau mit zirka 70 Quadratkilometern, so Tauer. Ursache dieser Entwicklung seien oft "unnötige und überdimensionierte Projekte". Man müsse Politikern und Planern Grenzen setzen. Die Landschaft verliere zunehmend ihr Gesicht.