Hochwasser in Niederbayern



Hochwasser früher - heute

Schlamm: Massen aus Maisacker bei Osterhofen

Wassermassen bei Windorf aus versiegeltem Gewerbegebiet


Staatlich subventionierte Schlammlawinen in Osterhofen

Der BN nimmt Stellung: Staatlich subventionierte Schlammlawinen

Zunächst möchte die Kreisgruppe Passau des BUND Naturschutz in Bayern e.V. allen Geschädigten von Starkregen, Hochwasser, Sturzfluten und Schlammlawinen ihre Betroffenheit aussprechen. Unsere Hochachtung gilt dem ehrenamtlichen Engagement von Bevölkerung und Hilfsorganisationen, welche in solchen Zeiten zusammenhalten.

Wir alle erinnern uns an das Jahrhunderthochwasser 2013. Mitteleuropa versank in den Fluten. Zurück blieben pure Zerstörung und immense Schäden in Milliardenhöhe. Kurz darauf ging die Politik wieder zum Alltagsgeschäft über. Dabei sind viele dieser Schäden bis heute noch nicht wieder instand gesetzt.

Solche Jahrhunderthochwasser kehren mit einer beinahe jährlichen Regelmäßigkeit wieder, nicht nur in Bayern. Anstatt endlich umzusetzen, was Wissenschaft und Naturschutz längst fordern, wird seit Jahren über die eigentliche Problematik hinweg diskutiert. Politiker/-innen jeder Gemeinde haben zu Beginn ihrer Amtszeit einen Eid zum Schutz und Wohl des Bayerischen Volkes geschworen (BayVerf Art. 99,1), d.h. nicht eines Einzelnen und nicht zum Wohle einer Partei.

Vieles hätte verhindert werden können, würden die Entscheidungsträger verstehen, dass die Natur ein Kreislauf ist und alles zusammenhängt. Wenn sich endlich die verantwortlichen und maßgeblichen Stellen zusammensetzen, ist es nur vernünftig alle Faktoren und Zusammenhänge dieses Ökokreislaufs als gesetzliche Grundlage zu nehmen, einzubinden, zu verstehen und als logische Konsequenz auch umzusetzen.

Das seit Jahren vor sich her geschobene Bayerische Auenprogramm oder der Ökologische Hochwasserschutz im Rahmen des Hochwasserschutzkonzeptes 2020 werden, wenn überhaupt, nur zögerlich umgesetzt. Lieber werden im Nachhinein die Milliardenschäden reguliert anstatt im Vorfeld die Folgen unseres bisherigen Handelns behoben. Wenn es um Menschenleben geht, sollten wir alle auf Sachverstand setzen.

Was wir heute erleben sind die gefährlichen Folgen des Klimawandels gemischt mit dem Ergebnis der falschen Siedlungspolitik, der unsinnigen Bodenbewirtschaftung mit äußerst problematischen Bodenverdichtungen und des stetig fortschreitenden, staatlich subventionierten, immensen Flächenverbrauchs bei Straßenbauprojekten und Gewerbegebietsausweisungen.

Rund 90 Prozent aller natürlichen Überflutungsflächen in Bayern sind in den vergangenen 200 Jahren industrieller Entwicklung verloren gegangen. Landschaftliche Veränderungen durch den Abbau wichtiger Wasserspeicher wie Moore und Feuchtbiotope, Zurückdrängen und Begradigen der natürlichen Bach- und Flussverläufe, Trockenlegen und Bebauen von Auen und Feuchtwiesen und die intensive fortschreitende Landnutzung bis auf wenige Zentimeter an die Gewässer heran, haben den natürlichen Hochwasserschutz beinahe vollständig ausgelöscht.

Das Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz IPCC, geht davon aus, dass Hochwasserrisiken in Zukunft zunehmen. Der BUND Naturschutz in Bayern e.V. kennt diese und fordert seit Jahren nicht nur den mechanischen Hochwasserschutz voranzutreiben und zu realisieren. Umleit- oder Rückhaltesysteme mögen kurzfristig die gewaltigen Wassermengen halten, wichtiger jedoch ist, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen.

Vorsorglicher, flächendeckender und ökologischer Hochwasserschutz ist der effektivste und vor allem kostengünstigste Schutz. Wir fordern die Wiedergutmachung der massiven Schäden durch die Flurbereinigung in der Fläche. Breit ausgedehnte Auen als natürliche Überflutungsräume von Fließgewässern müssen wiederbelebt und unter Schutz gestellt werden, nicht zuletzt wegen ihrer unverzichtbaren Funktion im Erhalt unseres Artenreichtums. Ausreichende Gewässerrandstreifen als natürliche Puffer und Filter, auch von Umweltgiften, Gülle, Gärresten und sogenannten Pflanzenschutzmitteln müssen wieder verpflichtend rückgebaut und eingehalten werden.

Wir setzen auf den systematischen Rückbau und die Wiederherstellung von frei fließenden Gewässern und den Erhalt der natürlichen Flussgeometrie zum Erweitern des Abflussquerschnitts. Flächenversiegelungen müssen in mittelbarer und unmittelbarer Gewässernähe renaturiert werden. Weiterhin müssen Absiedelungen wo möglich umgesetzt werden und ist eine Änderung der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung dringend erforderlich, hierzu gehört der völlige Verzicht auf Schwerlastmaschinen, um einen ausreichenden und effektiven Bodenschutz zu gewährleisten. Nur so können die natürlichen Schwammfunktionen und Speicherkapazitäten von Waldböden, Äckern und Wiesen vor weiterer Zerstörung gerettet werden.

Kommunen, Länder und Staat müssen sich verpflichten, diese Maßnahmen unverzüglich zum vorbeugenden Hochwasserschutz umzusetzen. Streitigkeiten um Grunderwerb, um Zuständigkeiten, um Planungen, Finanzierungen oder die Dauer der Planfeststellungsverfahren, um Ausschreibungen und Vergaben dürfen nicht mehr wie bislang diese wichtigen Projekte unnötig verzögern. Mehrere Jahre gehen dadurch ins Land und kostbare Zeit verstreicht untätig.

Und dass das nicht mehr zeitgemäße Regelwerk nach Merkblatt DWA-M 153 der DWA  (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V.) mit ihren “Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Regenwasser“ an die sich veränderten klimatischen Verhältnisse angepasst werden muss, versteht sich von selbst.

 

 


Effektiver Hochwasserschutz ist präventiver, natürlicher Hochwasserschutz

In Bayern sind an den großen Flüssen stellenweise mehr als 90% der natürlichen Überflutungsräume durch Kanalisierung und Deichbau verloren gegangen. Nach den verheerenden Überschwemmungen der vergangenen Wochen fordert der BUND Naturschutz Konsequenzen.

Mit einem umfassenden Maßnahmenkatalog mit Vorsorgekonzepten können zwar zukünftige Starkregen nicht verhindert, jedoch deren extreme Schäden zumindest gelindert werden.

Der BUND Naturschutz fordert einen Hochwasserschutz der in die Fläche geht mit naturnahen Räumen wie Wiesen, intakten Moorgebieten und renaturierten Bachläufen. Nur so können wir alle langfrisitg vor den katastrophalen Folgen der Überschwemmungen geschützt werden.

Hier sehen Sie den BN mit Prf. Dr. Hubert Weiger beim Bayerischen Rundfunk:
Bund Naturschutz fordert umfassende Vorsorgekonzepte

Lesen Sie hier mehr
Konsequenzen aus der Hochwasserkatastrophe
BN für Deichrückverlegungen
Hochwasserschutzprogramm


BR Fernsehen - DokThema - Tödliches Wasser

Tödliches Wasser - Was tun gegen Sturzfluten und Schlammlawinen?

Prof. Dr. Hubert Weiger zum Thema: "Mein erster Gedanke war, dass tatsächlich niemand mehr sicher sein kann."

Hier geht's zur Dokumentation

Regie: Susanne Fiedler, Carolin Bergmann
Redaktion: Astrid Harms-Limmer

Hier geht's zu einem weiteren Beitrag vom BR, sehr gut recherchiert 


Pressemitteilung BUND Naturschutz in Bayern e. V

Vorsorgender Klimaschutz muss einen höheren Stellenwert bekommen

Pressemitteilung BUND Naturschutz in Bayern e. V.

BN fordert Konsequenzen aus der Hochwasserkatastrophe

Landwirtschafts- und Verkehrsministerium sind gefordert, wesentlich stärker als bisher ihre Beiträge dazu zu leisten.

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