Experten bescheinigen Erfolg von Passauer Naturschutzprojekt

GEO-Tag der Artenvielfalt im Erdbrüst-Feuchtgebiet. Das Magazin GEO ruft deshalb seit 1999 jährlich bundesweit einen „Tag der Artenvielfalt“ aus, um das Wissen über unsere schutzwürdige Naturausstattung zu fördern.

Mitwirkende am GEO-Tag von links nach rechts: Wolfgang Seiderer, Patrick Raupp mit Sohn, Robert Ascher, Martin Hanslmeier, Dr. Willy Zahlheimer, Gotthard und Gudrun Grimbs, Dorothee Hartmann, Andreas Pontz, OB Jürgen Dupper und Seiderer-Junior, Dr. Rudol

Blatt des als „fleischfressend“ bekannten Rundblättrigen Sonnentaus, einer erfolgreich wiederangesiedelten Pflanzenart. – Foto Armin Zahlheimer

In einer wiederhergestellten quelligen Streuwiese wächst nun auch wieder das hübsche Kleine Wollgras. – Foto Willy Zahlheimer

Beim GEO-Tag auf der Suche nach Insekten. – Foto Ingo Zahlheimer

20.06.2016

Experten bescheinigen Erfolg von Passauer Naturschutzprojekt

GEO-Tag der Artenvielfalt im Erdbrüst-Feuchtgebiet

Auch der BUND Naturschutz ist in diesem Gemeinschaftsprojekt am Erhalt des Erdbrüstmoors mit 0,7 ha beteiligt. Hier geht es zu unseren Liegenschaften

Nach wie vor werden auch bei uns naturnahe Lebensräume zerstört, weil ihr Reichtum an Pflanzen- und Tierarten nicht wahrgenommen wird. Das Magazin GEO ruft deshalb seit 1999 jährlich bundesweit einen „Tag der Artenvielfalt“ aus, um das Wissen über unsere schutzwürdige Naturausstattung zu fördern. Artenkenner sollen sich zusammentun und an diesem Tag die Organismenvielfalt eines ausgewählten Gebiets dokumentieren.

Am vergangenen Samstag war es wieder so weit. Stadt Passau, Naturwissenschaftlicher Verein Passau und die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz veranstalteten gemeinsam einen GEO-Tag der Artenvielfalt im Erdbrüst-Feuchtgebiet bei Grubweg. Bund Naturschutz und Stadt haben dort ab 2008 mehrere Grundstücke gekauft und mit hoher staatlicher Förderung Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt. Als Leitbild dafür dienten alte Karten und botanische Mitteilungen aus dem 19. Jahrhundert. Inzwischen war es Zeit für eine erste Erfolgskontrolle. Der GEO-Tag lieferte hierfür den idealen Rahmen. 11 Experten aus den Reihen des Naturwissenschaftlichen Vereins sowie Josef Punkenhofer vom Fischereiverein Passau, Ralf Braun für das Haus am Strom und Markus Mathyl als externer Laufkäferspezialist waren dafür ehrenamtlich am Erdbrüstbachl unterwegs.

Dr. Rudolf Ritt aus Hauzenberg hatte schon am Vorabend Leuchten aufgestellt und damit Nachtfalter angelockt. Am Samstag war Andreas Pontz (Passau) bereits ab 5 Uhr zur Erfassung der Vogelwelt unterwegs, der offizielle Auftakt war um 7 Uhr. Gotthard und Gudrun Grimbs aus Fürstenstein, Alois Zechmann und Martin Hanslmeier widmeten sich den teils recht unscheinbaren Pilzen, Ulrich Teuber (Regensburg) registrierte die Moose, Dr. Willy Zahlheimer die Farn- und Blütenpflanzen. Dr. Rudolf Ritt hielt nun nach Tagfaltern Ausschau, Gudrun Dentler und Yvonne Sommer konzentrierten sich auf Amphibien und Reptilien, Ralf Braun auf Wildbienen. Josef Punkenhofer untersuchte die Lebewelt im Erdbrüstbachl, ermittelte chemische und physikalische Eigenschaften und leitete daraus die Gewässergüte („gut“) ab. Einen besonderen Akzent setzte Thomas Herrmann (Neuburg a. Inn) mit der pflanzensoziologischen Dokumentation durch die Entwicklungsmaßnahmen angestrebter Vegetationstypen. Um das leibliche Wohl der Teilnehmer kümmerten sich an wechselnden Einsatzorten vorbildlich Dorothee Hartmann (Neuburg a. Inn) und Isolde Zahlheimer (Stadt Passau).

Nach Abschluss der Geländearbeiten gegen 17 Uhr besuchten OB Jürgen Dupper und sein Umweltreferent Wolfgang Seiderer die Präsentation der vorläufigen Ergebnisse durch die Teilnehmer. Zu den besonders wichtigen Beobachtungen zählten geschützte Saftlinge, unter den rund 320 kartierten Farn- und Blütenpflanzenarten Rundblättriger Sonnentau und Simsenlilie, unter den Tieren Gruben-Laufkäfer, Steinkrebs und Quelljungfer, Schlingnatter und Springfrosch sowie das für den Passauer Raum neue Krummblatt-Lebermoos. Die Pflanzenwelt ist – unterstützt durch die gezielte Wiederansiedlung erloschener Arten aus Restbeständen der weiteren Umgebung – dem gesteckten Entwicklungsziel schon sehr nahe gekommen, die Moosflora erweist sich als deutlich artenreicher als vor Beginn der Naturschutzmaßnahmen. Dabei wirkt sich bereits positiv aus, dass hier in den städtischen Waldgrundstücken jegliche Holznutzung unterbleibt. Bezogen auf die Größe des Untersuchungsgebiets von nur 7,5 ha ist die Zahl von über 30 beobachteten Vogelarten recht respektabel. Dass die Insektenausbeute ziemlich gering ausfiel, ist dem Regenwetter der vorangegangenen Wochen geschuldet.

OB Dupper zeigte sich mit dem Erfolg des anfangs umstrittenen, von ihm aber voll unterstützten Projekts sehr zufrieden. Er dankte den Experten für ihr Engagement und vor allem jenen, die das Naturschutzvorhaben geplant und betreut haben, allen voran seine Mitarbeiter im Umweltamt. Außerdem wurde die qualitätsvolle Arbeit gewürdigt, die Robert Ascher und Patrick Raupp im Auftrag des Landschaftspflegeverbands Passau bei der Pflege des Projektgebiets leisten. Beide waren bei der Präsentation der Ergebnisse zugegen. Ohne die regelmäßige Mahd der ungedüngten Futter- und Streuwiesenflächen würden diese zunächst den Großteil ihrer wertvollen Arten verlieren und allmählich zu Wald werden.